AI gesteuertes Personal Learning Management – Wissen anzapfen leicht gemacht?

Seit wir uns im Rahmen des Projektes MeinZiel22 der CLC zum Thema Personal Learning Management System ausgetauscht hatten, führe ich ein digitales Notizbuch. Ich nutze dazu Obsidian und habe hierzu bereits meine Learnings in einem weiteren Blogbeitrag gepostet. Als mit Beginn des Jahres die große KI Welle übergeschwappt ist, haben sich einige neue Tools aufgetan und ich hatte begonnen mich mit der Entwicklung eigener Chatbots zu beschäftigen. 

In der Welt der künstlichen Intelligenz bieten personalisierte Chatbots eine spannende Möglichkeit, individuelles Wissen und persönliche Erfahrungen in die digitale Kommunikation zu integrieren. Die Frage die sich mir gestellt hat war, ob es denn möglich wäre einen Chatbot mit den eigenen Notizen zu füttern, um quasi mit seinem eigenen Personal Learning Management in Diskurs zu kommen. Nach einigen Experimenten mit unterschiedlichen Tools habe ich schlussendlich eine passende Möglichkeit gefunden und möchte hier mein Wissen teilen. 

Wie funktioniert ein Chatbot?

Ein GPT ist bekanntlich ein Generated Pre-trained Transformer und beruht auf trainierten Datensätzen. Er bezieht sich im Hintergrund auf Wahrscheinlichkeiten der trainierten Daten, hat also kein Kontextverständnis! Da diesen Bots irrtümlich oft ein Verständnis zugeschrieben wird, wiederhole ich diesen Trugschluss an diesen Stellen gerne immer wieder.

Wenn ein Chatbot mit Daten aus dem Internet trainiert werden kann, kann er auch personalisiert werden. Das bedeutet, dass man einen eigenen Chatbot generieren kann, der mit den eigenen Daten, Notizen der eigenen Literatur gefüttert wird. Der Bot beantwortet Fragen dann anhand der eigens trainierten Daten.

Wie erstelle ich einen personalisierten Chatbot?

Um nun einen eigenen Chatbot zu generieren und ihn mit eigenen Daten zu füttern, braucht es ohne Programmierkenntnisse ein geeignetes Tool. Meine Wahl fiel hier auf Chatbase. Die Plattform bietet eine benutzerfreundliche Schnittstelle, mit der eigene Chatbots erstellt werden können.

Ist der Chatbot erstellt, kann er mittels Daten trainiert werden. Dabei ist es möglich PDFs, aber auch Webseiten oder Texte anzuheften. Anschließend trainiert sich der Bot selbst bzw. man muss ihn durch Feedbackschleifen und individuelle Einstellungen weiter trainieren.

Chatbase bietet die Möglichkeit nicht nur PDFs, Website und Texte anzuheften, sondern bildet auch eine Schnittstelle zu Notion. Kurzerhand habe ich versuchsweise meine Obsidian Markdown Dateien mit Notion gekoppelt, um Chatbase den Zugriff zu meinem Personal Management System zu ermöglichen. Dadurch kann der Chatbot auf meine eigenen Notizen und Gedanken zugreifen und ich kann mit Ihnen kommunizieren. Ich habe den Chatbot also mit meinen eigenen Notizen, als auch meiner Literatur gefüttert. Er greift des weiteren auf meine Homepage und meine einzelnen Blogbeiträge zu.

Ist der Bot trainiert, können Konversationen wie mit ChatGPT oder anderen textbasierten generativen KI Systemen geführt werden.

Welche Anwendungsfälle ergeben sich dadurch?

Persönlicher Assistent – Der Chatbot kann als persönlicher Assistent fungieren, der dabei hilft, sich an wichtige Informationen oder bevorstehende Termine zu erinnern. 

Wissensdatenbank – Wir können den Chatbot als digitale Wissensdatenbank nutzen, um schnell auf Informationen aus den eigenen Notizen zuzugreifen.

Kreative Brainstorming-Sitzungen – Beim Entwickeln neuer Ideen kann der Chatbot wertvolle Einsichten aus früheren Notizen und Diskussionen bieten. Haben wir in den Notizen eigene Gedanken verfasst, kann er Gedankengänge kombinieren und daraus auch neue Ideen generieren. Wir können damit Hilfestellung für das Prototyping erhalten, oder auch durch einfaches Brainstorming neue Erkenntnisse gewinnen.

Lern- und Überprüfungstool – Wird der Chatbot mit Literatur aus beispielsweise einer aktuellen Schulung trainiert, kann er als Lern- und Überprüfungstool dienen. Wir können uns Prüfungen aus den Lernmaterialien generieren oder Fragen stellen, die uns während dem Lernen unklar sind.

Kommunikationshilfe – Der Chatbot kann uns helfen wichtige Informationen und Ideen aus den Notizen zusammenzufassen und auf den Punkt zu bringen, um diese Informationen mit anderen zu teilen.

Selbstreflexion und persönliche Entwicklung – Durch die Interaktion mit dem Chatbot können neue Perspektiven auf eigene Ideen gewonnen werden und dadurch die persönliche Entwicklung fördern.

Projektmanagement – Integrieren wir Aufgaben und Deadlines in unseren Chatbot, kann dieser die Planung übernehmen. Das kann besonders bei aufwendigen Projekten helfen, Teile des Projektmanagements durch einen Chatbot aufplanen zu lassen.

Welche Vorteile ergeben sich durch personalisierte Chatbots?

Die Nutzung von personalisierten Chatbots bringt einige Vorteile mit sich. Hier eine kleine Auflistung:

Dein Chatbot kann alltägliche Anfragen automatisieren und dir sofortige Antworten liefern. Dadurch sparst du Zeit, die du sonst mit Suchen oder Ausführen einfacher Aufgaben verbringen würdest und kannst dich auf anspruchsvollere und kreative Arbeiten konzentrieren.

Du findest eigene Beiträge nicht nur schneller, sondern kannst sie auch einander gegenüberstellen und so neue Ansätze generieren. Dadurch hast du Informationen besser auf einem Blick gesammelt und kannst mithilfe der KI Informationen auf das Wesentliche komprimieren und dich so besser organisieren.

Durch die personalisierte Interaktionsmöglichkeit kannst du deine eigenen Lernpfade erstellen, Literatur einander gegenüberstellen und dich sogar selbst abprüfen.

Dein Chatbot kann dir Lerninhalte bieten, die auf deine vorherigen Interaktionen und Präferenzen zugeschnitten sind und dir so eine maßgeschneiderte Bildungserfahrung ermöglichen. Die Möglichkeit mit den eigenen Gedanken und den eigenen Notizen zu kommunizieren hilft bei der Lösung von Problemen, beim Brainstorming und der Ausarbeitung neuer Ansätze.

Dein Chatbot ist immer für dich da, rund um die Uhr, ohne dass du Rücksicht auf Arbeitszeiten oder Zeitzonen nehmen musst.

Welche Risiken verbergen sich hinter personalisierten Chatbots?

Auch wenn personalisierte Chatbots viele Vorteile bieten, solltest du dir auch der Risiken bewusst sein, die ihre Nutzung mit sich bringen kann. 

Wenn du deinen Chatbot mit persönlichen Informationen fütterst besteht das Risiko, dass diese Daten kompromittiert werden könnten. Wichtig ist es sich über die Datenschutzpraktiken der jeweiligen Plattform, auf der der Chatbot erstellt wird, zu informieren.

Chatbots sind nicht unfehlbar! Sie können Informationen missverstehen oder falsch interpretieren, da sie ja bekanntlich auf Wahrscheinlichkeiten beruhen. Dies kann zu Frustration führen, besonders wenn du dich auf die bereitgestellten Informationen verlässt. Wenn dein Chatbot auf unvollständigen oder voreingenommenen Datensätzen basiert, könnte er dich unbeabsichtigt in eine Richtung lenken, die deine Weltanschauung oder deine Fähigkeiten einengt. Der Chatbot könnte auch falsche Schlüsse ziehen, da deine Notizen eventuell nicht vollständig sind. Daher gilt es IMMER die Inhalte zu überprüfen und genau zu hinterfragen.

Deskilling ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Die Steigerung der Effektivität durch die Abnahme von Arbeitsschritten kann zwar zeitlich helfen, jedoch gehen dadurch eventuell andere Skills verloren, werden diese nicht trainiert. In meinem nächsten Blogbeitrag werde ich auf das Thema Deskilling genauer eingehen.

Jede Software kann Sicherheitslücken aufweisen. Wenn dein Chatbot Teil deines Heim- oder Arbeitssystems wird, könnte er eine Schwachstelle darstellen, die von Cyberkriminellen ausgenutzt werden könnte.

Personalisierte Chatbots erfordern regelmäßige Wartung und Aktualisierung, um effektiv zu bleiben. Vernachlässigung in diesem Bereich kann zu veralteten Informationen oder einer verschlechterten Nutzererfahrung führen. Das Gärtnern im eigenen Wissensgarten wird dadurch noch wichtiger, da die KI nur schwer zwischen alten und neuen Daten unterscheiden werden kann.

Möglicherweise entstehen Kosten für die Erstellung, Wartung oder das Hosting deines Chatbots, vor allem wenn du erweiterte Funktionen benötigst oder eine große Datenmenge verwaltest.

6. Schlussfolgerungen und eigens Learning

Ich fand es persönlich sehr spannend, mit meinem eigenen Chatbot zu experimentieren. Meine eigenen Notizen werde ich jedoch vorerst weiterhin in Obsidian pflegen, da ich die Schnittstelle mit Notion nur bedingt als gut empfinde. Die Arbeit mit meinem aus eigener Literatur trainierten Chatbot finde ich jedoch sehr empfehlenswert. Egal, ob ich Simon Sinek über meine aktuelle Idee zu einem neuen Konzept befragen oder aus dem Buch „Liberating Structures“ einen Entwurf für eine Workshop-Agenda erstellen möchte. Insgesamt gibt es einige Vorteile, aber auch genügend Nachteile, und wir müssen sorgfältig abwägen, wie wir KI in Kombination mit unserem Personal Learning Management einsetzen. Die Verwendung von persönlichen Chatbots, die mit individuellen Notizen trainiert wurden, birgt enormes Potenzial für die persönliche und berufliche Entwicklung. Mit den Fortschritten in der KI wird die Möglichkeit personalisierte Chatbots zu erstellen und zu nutzen, in Zukunft wohl noch zunehmen. Gespannt blicke ich daher auch auf die neue Möglichkeit der Chatboterstellung mit dem ChatGPT Update.

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