Ambidextrie: Das Zauberwort für Innovation oder nur heiße Luft?

Das Wort Ambidextrie verwende ich im Alltag sehr oft. Nicht nur weil es sich gut anhört, nein, sondern weil es, wie ich finde, eines der wichtigsten Wörter in unserer jetzigen wirtschaftlichen Situation ist!

Der Begriff Ambidextrie wird häufig im Kontext des Innovationsmanagements verwendet, weniger jedoch in der Personalentwicklung. Doch genau hier liegt der Schlüssel: Eine erfolgreiche Ambidextrie-Kultur kann nur durch eine gezielte Personalentwicklung entstehen, da diese die Verantwortung für die Kulturentwicklung trägt. Innovationsmanagement und Personalentwicklung sind untrennbar miteinander verbunden, weil es letztlich um eine kulturelle Transformation geht, die maßgeblich durch die Personalentwicklung gesteuert wird. Um genau dieses Thema ging es letztens in einem Interview, das ich führen durfte. Das habe ich natürlich gleich zu Anlass genommen meine Gedanken dazu auch hier zu verschriftlichen.

Starten wir von Vorne - Was ist eigentlich Ambidextrie?

Das Wort beschreibt die Doppelhändigkeit die eine Notwendigkeit darstellt, um einerseits innovativ an neuen Ideen zu arbeiten und gleichzeitig die Effizienz im Tagesgeschäft aufrecht zu erhalten. Es ist das erforderte Maß, dass Ambidextrie zu einem wichtigen Bestandteil jedes Unternehmens machen sollte, das morgen noch am Markt existent sein möchte.

Theorie und Praxis: Der KI Ambidextrie-Dschungel

Was bedeutet das also in der Praxis? KI ist nicht nur in meinen Blogbeiträgen ein allgegenwärtiges Medium. Einmal mehr bildet der Kontext zu KI ein konkretes Beispiel, um ein Unternehmen durch den Begriff “Ambidextrie” zukunftsfähig zu halten. KI ermöglicht es Unternehmen, ihre bestehenden Prozesse zu optimieren und gleichzeitig neue, innovative Lösungen zu entwickeln. Sie kann dazu beitragen, die Effizienz zu steigern, Kosten zu senken und neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen. Gleichzeitig erfordert die Einführung von KI eine kulturelle Veränderung und eine Anpassung der bestehenden Arbeitsweisen, was eine Herausforderung darstellen kann. Kurz gesagt – es kostet Zeit, sich in die neuen Technologien einzulesen – und es kostet noch mehr Zeit, einen Weg zu finden, die Technologie sinnvoll in das tägliche Handeln zu integrieren, um effizienter zu werden. Genau das macht Ambidextrie aus!

Ambidextrie - Ohne Kulturintegration nur ein leeres Versprechen

Die Herausforderung der Ambidextrie besteht darin, eine Balance zwischen dem Erkunden neuer Möglichkeiten und dem Ausnutzen bestehender Stärken zu finden. Es ist wie das Jonglieren mit zwei Bällen, bei dem man ständig zwischen dem Werfen und Fangen wechselt. Wer über Ambidextrie redet, taucht in den Tiefen des Innovationsmanagements und vergisst dabei meist, dass auch Innovationsmanagement “nur” eine Methode ist, wenn die Wichtigkeit nicht in die Unternehmenskultur verankert ist und mit ihr verschmitzt.

In der Praxis bedeutet dies, dass Unternehmen sowohl in die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen investieren, als auch ihre bestehenden Geschäftsmodelle optimieren müssen. Dies erfordert eine flexible Organisationsstruktur, die es ermöglicht, schnell auf Veränderungen zu reagieren und gleichzeitig die Effizienz und Qualität der bestehenden Prozesse zu gewährleisten.

Personalentwicklung durch Methodenvielfalt?

Die Rolle der Personalentwicklung in diesem Kontext ist entscheidend. Sie ist verantwortlich für die Schaffung einer Kultur, die sowohl Innovation als auch Effizienz fördert. Dies kann durch verschiedene Maßnahmen erreicht werden, wie z.B. die Durchführung von Schulungen zur Förderung kreativen Denkens, die Einführung von Mechanismen zur Anerkennung und Belohnung innovativer Ideen und die Schaffung von Räumen für Experimente und kreatives Denken.

Klingt einfach – ist es aber nicht 😉

Oft scheitern die Methoden gleich nach dem Roll Out – Warum? 

Meist ist es fehlende Zeit! Das hat allerdings weniger mit dem fehlenden Interesse zu tun. Interesse ist meist vorhanden. Auch der Sinn wird nicht angefochten. Dennoch wird ein wesentlicher Punkt übersehen…

“Kultur beruht nicht auf der Nachahmung fremder Regeln, sondern auf der Entfaltung der eigenen Art” (Justus Möser).

Daher ist Personalentwicklung in erster Linie maßgebend dafür verantwortlich, die Idee der Ambidextrie und des Innovationsmanagements mit ihren erforderlichen Themen in die Unternehmenskultur zu integrieren. Dazu muss die Personalentwicklung folgende Aufgaben wahrnehmen:

Sie hat die Aufgabe, das “Warum” der Veränderung zu verankern, um das Bewusstsein im Unternehmen zu schaffen. Erst dadurch wird der Blick auf die Notwendigkeit der Veränderung gerichtet, die es ermöglicht, nachfolgende Methoden der Personalentwicklung gewinnbringend zu implementieren. Die Personalentwicklung muss hier helfen die richtige Balance zwischen Innovation und Effizienz zu finden und den Change Prozess begleiten, so dass Widerstände der Veränderung gering ausfallen und sich schnell beseitigen lassen.

Sie muss die psychologische Sicherheit schaffen. Ein wesentlicher Aspekt, der oft übersehen wird, ist die psychologische Sicherheit innerhalb des Teams. Ohne ein solides Fundament der psychologischen Sicherheit können selbst die besten Methoden der Personalentwicklung scheitern. Psychologische Sicherheit bedeutet, dass Mitarbeiter sich trauen, Fragen zu stellen, Bedenken zu äußern und Fehler zuzugeben, ohne Angst vor Spott oder Strafe zu haben. Dies schafft eine Atmosphäre, in der Innovation entstehen kann. 

Nach der Verankerung des “Warum” der Veränderung und der Schaffung psychologischer Sicherheit, ist es Aufgabe der Personalentwicklung zielgerichtete Methoden zu implementieren, die die Ambidextrie in der Unternehmenskultur fördern. Hierbei ist es wichtig, auf die bereits etablierten Grundlagen aufzubauen und die Methoden so auszurollen, dass sie die Interaktion und den Austausch zwischen verschiedenen Abteilungen unterstützen.

Ist das Bewusstsein geschaffen, machts die Vielfalt - traditionelle und innovative Lernmethoden der Personalentwicklung

Crossfunktionale Teams sind ein effektiver Weg, um den Austausch zu fördern und die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Bereichen zu stärken. Durch die Zusammenführung von Mitarbeitern aus verschiedenen Abteilungen können Synergien geschaffen und neue Perspektiven in die Projektarbeit eingebracht werden. Dies unterstützt nicht nur die Innovationsfähigkeit, sondern fördert auch das Verständnis für die Herausforderungen und Arbeitsweisen anderer Bereiche. Wir fördern dadurch den Austausch untereinander und lernen voneinander.

Die Einführung agiler Methoden wie Scrum und Kanban kann die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Organisation weiter erhöhen. Diese Methoden ermöglichen es Teams, schneller auf Veränderungen zu reagieren und ihre Arbeitsweise kontinuierlich zu verbessern. Durch regelmäßige Retrospektiven, Lessons Learned und das Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung wird ein Umfeld geschaffen, in dem Innovation gelingen kann.

Auch die Nutzung von Balanced Scorecards, erweitert um eine Innovationsperspektive, ermöglicht es, den Erfolg von Innovationsprojekten zu messen und zu steuern. Indem unternehmensspezifische Kennzahlen für Innovation definiert werden, kann die Personalentwicklung sicherstellen, dass die Innovationsziele mit den strategischen Zielen des Unternehmens in Einklang stehen und kontinuierlich verfolgt werden.

Durch die Kombination dieser Methoden kann die Personalentwicklung eine dynamische und innovative Unternehmenskultur schaffen, die sowohl die Entwicklung neuer Ideen als auch die Optimierung bestehender Prozesse unterstützt. Es ist jedoch entscheidend, dass diese Methoden nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Teil eines ganzheitlichen Ansatzes, der die Ambidextrie in allen Aspekten der Unternehmenskultur verankert. Nur so kann die Personalentwicklung sicherstellen, dass die Ambidextrie mehr als nur ein leeres Versprechen bleibt und zu einem integralen Bestandteil des Unternehmenserfolgs wird.

Zwei Seiten einer Medaille

Personalentwicklung und Innovationsmanagement sind integral und fördern gemeinsam die Ambidextrie in Unternehmen. Während die Personalentwicklung eine Kultur der Innovation und des kreativen Denkens schafft, sorgt das Innovationsmanagement für die praktische Umsetzung dieser Innovationen. Beide Bereiche sind entscheidend, um die strategische Notwendigkeit der Ambidextrie zu erfüllen und die Wettbewerbsfähigkeit in der schnelllebigen Geschäftswelt zu sichern. Als PersonalentwicklerInnen liegt es in unserer Verantwortung, diese Bemühungen zu unterstützen und zu fördern, denn die Menschen im Unternehmen sind es, die den wahren Unterschied ausmachen.

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