KI und die Zukunft der Arbeit: Balancieren zwischen Upskilling und Deskilling

Durch die rasante digitale Entwicklung wird unsere Welt bekanntlich immer unsicherer und wir fühlen uns immer mehr bedrängt. Jede digitale Revolution, jede maschinelle Errungenschaft, brachte eine Steigerung der Effizienz mit sich, die gleichzeitig von Schattenseiten geprägt ist. Während wir einerseits damit beschäftigt sind Strategien zu entwickeln um eigene Kompetenzen zu erweitern und der Technologie gerecht zu werden – Upskilling – bringen Technologien gleichzeitig auch immer eine Kehrseite mit sich – nämlich die des Deskillings. Gerade durch die Integration diverser KI Applikationen ist es wichtig sich über Strategien Gedanken zu machen, die das Gleichgewicht zwischen unterstützender Technologie und dem Erhalt menschlicher Kompetenzen hergestellt.

Was ist denn eigentlich Deskilling?

„Deskilling“ ist ein Begriff, der ursprünglich aus der arbeitssoziologischen Literatur stammt. Er beschreibt die Veränderungen von Arbeitsplätzen, insbesondere wenn Technologien wie KI komplexe Aufgaben übernehmen und dadurch der Bedarf an qualifizierten Menschen sinkt. Das Cambridge Dictionary definiert es als den Prozess, bei dem die für einen Job erforderliche Fachkompetenz abnimmt. Dabei gibt es zwei Hauptperspektiven (vgl. Reinmann 2023, S. 4):

  • Die soziologische Perspektive konzentriert sich auf Veränderungen am Arbeitsplatz.
  • Die psychologische Perspektive stellt den individuellen Kompetenzverlust in den Vordergrund .

Die Beziehung zwischen KI und Deskilling

Die Beziehung zwischen KI und Deskilling hat sich mit der raschen Fortschreitung der KI-Technologien intensiviert. Während das Phänomen des Deskilling schon vor dem Aufstieg der KI diskutiert wurde, hat die moderne Flut an KI-Anwendungen dieses Thema neu belebt und in den Vordergrund beruflicher Auseinandersetzungen gerückt (vgl. Reinmann 2023, S. 9). Die Einführung generativer KI-Systeme, die komplexe Aufgaben übernehmen, die zuvor menschlichen Denkprozessen vorbehalten waren, birgt das Potenzial für ein verstärktes Deskilling. Ähnlich der industriellen Revolution, die physische Fertigkeiten durch mechanische Maschinen ersetzte, verdrängt die KI nun kognitive Funktionen. Beispiele wie die Nutzung von Navigationsgeräten und Taschenrechnern verdeutlichen, wie bereits existierende Technologien unsere Fähigkeiten zur räumlichen Orientierung und zum mentalen Rechnen beeinträchtigt haben. KI geht jedoch noch einen Schritt weiter, indem sie nicht nur einzelne Aufgaben automatisiert, sondern sich auch kontinuierlich weiterentwickelt und menschliche Entscheidungsprozesse imitieren oder übertreffen kann. Dies wirft neue Fragen im Zusammenhang mit Deskilling auf, da KI tiefgreifend in das Spektrum menschlicher Kompetenzen eingreift und somit nicht nur routinemäßige, sondern auch komplexe und kreative Fähigkeiten beeinflusst.

Welche Fähigkeiten sind betroffen?

Zu den beeinträchtigten Fähigkeiten gehören kritisches Denken, Lern- und Anpassungsfähigkeit, menschliche Interaktion und Problemlösungskompetenz. Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT entwerten die Wissensarbeit, da sie nicht nur algorithmische, sondern auch nicht kodifizierbare Aufgaben übernehmen können. Die Herausforderung des Kompetenzverlustes durch KI stellt sich somit als zentrales Problem dar.

Kritisches Denken beinhaltet die Fähigkeit Informationen zu analysieren, zu bewerten und logisch zu denken. Durch den Einsatz von KI in Entscheidungsprozessen könnte diese Fähigkeit beeinträchtigt werden, da Menschen möglicherweise dazu neigen, die von der KI bereitgestellten Informationen unreflektiert zu akzeptieren.

Lernfähigkeit bezieht sich auf die Bereitschaft und Fähigkeit von Individuen, neues Wissen und neue Fähigkeiten zu erwerben. Anpassungsfähigkeit bezieht sich auf die Fähigkeit, sich an neue Arbeitsanforderungen und -bedingungen anzupassen. Die Automatisierung von Routineaufgaben durch KI könnte die Motivation, sich anzupassen und neue Fähigkeiten zu erlernen, verringern, da Menschen möglicherweise weniger Anreize haben, über den Tellerrand hinaus zu denken und sich weiterzuentwickeln.

Der Einsatz von KI kann die Notwendigkeit menschlicher Interaktion in vielen Berufsfeldern verringern, was langfristig die sozialen Fähigkeiten beeinträchtigen könnte. Dies könnte sich nachteilig auf die Teamarbeit und die Arbeitszufriedenheit auswirken und auch die Möglichkeit, von den Erfahrungen und Kenntnissen anderer zu lernen, könnte beeinträchtigt werden. Menschen sind soziale Wesen – Interaktionsfähigkeit will dennoch geübt sein!

Die Fähigkeit unerwartete Probleme zu lösen könnte leiden, wenn Arbeitnehmer sich zu sehr auf KI verlassen und ihre eigenen problemlösenden Fähigkeiten nicht weiterentwickeln. Die Abhängigkeit von KI könnte auch die Kreativität und die Fähigkeit innovative Lösungen zu finden, beeinträchtigen.

Mit dem Vormarsch der KI ist es wichtig, dass die Arbeitnehmer ein Verständnis und Fachwissen in Bezug auf die KI-Technologien in ihrem jeweiligen Bereich haben. Deskilling könnte dazu führen, dass Menschen ihre bereichsspezifische Expertise verlieren und sich zu sehr auf die KI verlassen, anstatt ihr eigenes Fachwissen zu nutzen und zu erweitern.

Die unabhängige Entwicklung von Kompetenzen die uns als Menschen auszeichnen, könnte durch die Abhängigkeit von KI beeinträchtigt werden. Beispielsweise könnte die übermäßige Verwendung von KI-gestützten Werkzeugen die Entwicklung und Verwendung von grundlegenden kognitiven und manuellen Fähigkeiten beeinträchtigen.

Kopf in den Sand oder Herausforderungen meistern?

Um den Herausforderungen des Deskilling durch KI effektiv zu begegnen, ist es essenziell, lebenslanges Lernen zu fördern. Dies bedeutet, dass sowohl die Aneignung neuer technischer Fähigkeiten, als auch die Weiterentwicklung von Soft Skills wie kritischem Denken und Problemlösungskompetenz unerlässlich sind. Gleichzeitig ist es wichtig, bestimmte grundlegende Fähigkeiten zu bewahren, die auch in einer zunehmend digitalisierten Welt von Bedeutung bleiben. Natürlich ist es dabei auch in Ordnung wie bei der Einführung jeder Technologie gewisse Kompetenzen “zu verlernen”, grundlegende Kernkompetenzen sollten wir allerdings weiterhin schulen und bewusst fördern – um sie nicht zu verlernen.

Eine starke Mensch-Maschine-Kollaboration ist dabei ein Schlüsselaspekt. Wir sollten darauf achten, eigenständige Entscheidungen zu treffen und die Empfehlungen der KI lediglich als ergänzende Informationen betrachten. Dies erfordert ein fundiertes Verständnis darüber, wie KI-Systeme funktionieren und Entscheidungen treffen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, ein Bewusstsein für die Grenzen der KI zu entwickeln. Es ist entscheidend zu verstehen, wo menschliche Expertise unersetzlich ist und KI-Systeme ihre Grenzen haben. Dies hilft, eine übermäßige Abhängigkeit von KI zu vermeiden und die Wertschätzung für menschliche Fähigkeiten zu stärken.

Zudem sollte bei der Entwicklung und Implementierung von KI-Systemen die Ethik und Menschlichkeit in den Vordergrund gestellt werden. KI-Technologien sollten so gestaltet sein, dass sie die menschliche Arbeit ergänzen und nicht ersetzen. Ethik in der KI beinhaltet, dass diese Technologien im Einklang mit menschlichen Werten und Bedürfnissen entwickelt werden. Der Deutsche Ethikrat bietet hier eine wichtige Perspektive zu den ethischen Risiken des KI-Einsatzes in Bezug auf Deskilling.

Schließlich ist die Förderung der digitalen Kompetenz entscheidend. Diese umfasst nicht nur das Verständnis und die Bedienung von KI-Systemen, sondern auch ein kritisches Bewusstsein für deren Arbeitsweise und Auswirkungen. Dieses Wissen ermöglicht es, KI-Systeme verantwortungsvoll zu nutzen und sicherzustellen, dass sie menschliche Fähigkeiten ergänzen anstatt sie zu ersetzen.

Eine Balance ist gefragt!

Während wir uns zur Zeit vermehrt mit den neune Möglichkeiten und den Herausforderungen des Upskillings auseinandersetzen, dürfen wir nicht vergessen, dass KI als mächtiges Werkzeug auch Deskilling Themen adressiert. Daher habe ich mich bewusst dazu entschieden auch das Deskilling Thema in einem kurzen Blogbeitrag aufzugreifen. Dennoch haben Technologien der Vergangenheit gezeigt, wie sie uns als Menschheit in Produktivität und Effektivität unterstützen. Ebenso bietet KI enorme Möglichkeiten zur Steigerung unserer Fähigkeiten und Kompetenzen. Es ist entscheidend einen ausgewogenen Ansatz zu verfolgen, der sowohl die Vorteile der KI maximiert, als auch die Risiken des Deskilling minimiert. Eine umfassende Auseinandersetzung mit beiden Aspekten ist unerlässlich, um eine Zukunft zu gestalten, in der technologischer Fortschritt und menschliche Entwicklung Hand in Hand gehen. Indem wir das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine neu definieren, können wir sicherstellen, dass wir das Beste aus beiden Welten ziehen und eine harmonische Arbeitswelt der Zukunft schaffen.

Literatur:

Parameswaran, Ashwin (2022): ChatGPT, Artificial Intelligence, and Deskilling. Why large language models (LLMs) will deskill the knowledge worker. In: https://macroresilience.substack.com/p/chatgpt-artificial-intelligence-and. [20.10.2023]

Reinmann, Gabriele (2023): Deskilling durch Künstliche Intelligenz? Potenzielle Kompetenzverluste als Herausforderung für die Hochschuldidaktik. Diskussionspapier. In: https://www.heise.de/news/Deskilling-Kompetenzverlust-durch-KI-wird-zu-wenig-diskutiert-9342124.html [28.10.2023]

Schuppan, Timo (2022): Der Verwaltungsfachangestellte der Zukunft: Mensch oder Computer? S. 63-79. In: Elsner (Hrsg.) (2020): Berufliche Bildung im Öffentlichen Dienst – Zukunft aktiv gestalten. Dokumentation der Beiträge zum Entwicklungsprojekt. Verlag Barbara Budricj: Leverkusen.

Vencortex (2021): Deskilling, upskilling, and reskilling: a case for hybrid intelligence. In: Deskilling, upskilling, and reskilling: a case for hybrid intelligence (vencortex.io) [29.11.23]

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