Überforderung in einer permanenten Betawelt

Vergessen wir mal das „Business as usual“. In unserer Welt ist Stillstand gleichbedeutend mit Rückschritt. Skills haben ein Verfallsdatum, und wer heute noch auf gestern setzt, wird morgen das Nachsehen haben. Es ist Zeit, die alten Zöpfe abzuschneiden und Platz für Neues zu machen. Das Neue wird allerdings nicht lange anhalten, bis es von Neuem abgelöst wird. 

Willkommen in einer permanenten Betawelt – wie ich sie für mich definiert habe.

Wie soll sich das Business in Mitten dieser Betawelt bewähren und wie kann die Personalentwicklung hier helfen? Welche Aufgaben haben Führungskräfte und was hilft uns trotz ständigem Wandel stabil zu bleiben?

Die unaufhaltsame Welle des Wandels reiten

Anpassungsfähigkeit ist zur neuen Währung geworden. Lebenslanges Lernen ist nicht mehr nur eine nette Floskel für Motivationsposter, sondern eine grundlegende Notwendigkeit für jede Person, die in der heutigen Arbeitswelt bestehen möchte. Das müsste spätestens mit der KI Entwicklung in den letzten Monaten auch den letzten Kritiker:innen klar geworden sein. Doch wie kann man sich in einem Meer von Veränderungen orientieren, ohne dabei unterzugehen? Lange war hier von Future Skills die Rede. Es machte für mich oft den Anschein als würde ein Großteil annehmen, dass mit der Erlangung nötiger Future Skills die Transformation durchgeführt werden kann, um sich anschließend wieder dem „Business as usual“ anzunehmen.

Zwischen Herausforderung und Chance

Doch der Schein trügt. Die Future Skills des Business von denen wir gestern gesprochen haben, scheinen in Teilen bereits wieder veraltet. Während wir erst vor einigen Monaten durch die Chat GPT Einführung neue Skills erlernt hatten, scheinen diese innerhalb weniger Monate, gar Wochen, an Relevanz zu verlieren. Für meinen Teil habe ich das insbesondere in meinen Vorträgen zu KI gemerkt. Es gab noch kein Thema, bei dem ich meine Vorträge innerhalb von TAGEN so fundamental ändern musste, als bei diesem Thema. Das spiegelt sich in jedem einzelnen Skill wider. Um Programmieren zu lernen muss man schon lange nicht mehr studiert haben, inzwischen macht es den Anschein nicht einmal mehr programmieren können zu müssen, um zu programmieren. Viele von uns haben kaum begonnen sich neue Skills anzueignen, da zeichnen sich am Horizont bereits neue, erstrebenswerte Skills ab. 

Diese permanente Beta-Welt stellt uns vor Herausforderungen mit denen wir so noch nie konfrontiert waren. Sie schürt Unsicherheit, sie macht Angst, sie fördert Zweifel bis hin zu zunehmender Verzweiflung. Während viele aus dieser Verzweiflung heraus resigniert haben und sich vor den neuen Themen verschließen – die Folgen dieser Resignation werden erst in den kommenden Jahren sichtbare Auswirkungen mit sich tragen – können wir diese Betawelt gleichzeitig als Chancen sehen. Die Schnelllebigkeit kann überwältigend sein, bietet aber auch Raum für Innovation und Kreativität. In diesem Spannungsfeld liegt die Kunst, nicht nur zu überleben, sondern aufzublühen. Das Beta signalisiert uns, dass ständig Neues entsteht, in Bereichen, in denen bisher niemand einen Expert:innenanspruch erheben kann. Das bringt neue Vorteile! Doch wie nutzen wir diese Vorteile im Business? 

Es braucht dafür mehr denn je ein lernwilliges, motiviertes und resilientes Umfeld, dass von der Personalentwicklung, der Führung und den Mitarbeiter:innen gleichermaßen etabliert werden muss.

Nach einiger Recherche habe ich für mich festgestellt, dass Personalentwicklungskonzepte, egal ob es dabei um Führungskräfteentwicklungen oder PE Maßnahmen für ExpertInnen geht, vier entscheidende Säulen beachten müssen:

  1. Lernkompetenz
  2. Motivation
  3. Resilienz
  4. Mut

Auch wenn es sicher viele weitere Komponente gibt, die Beachtung finden sollen, sehe ich diese vier Säulen als entscheidend. Sie sind nicht nur die Basis für individuelles Wachstum, sondern auch für den unternehmerischen Erfolg in der Betawelt. 

Lernkompetenz: Der Grundstein für kontinuierliche Entwicklung

Lernkompetenz ist weit mehr als die Fähigkeit, sich neues Wissen anzueignen. Es geht darum, eine Kultur zu schaffen, in der Lernen als kontinuierlicher Prozess verstanden wird. Personalentwicklungsmaßnahmen müssen daher darauf abzielen, eine lernförderliche Umgebung zu etablieren, in der Mitarbeiter:innen ermutigt werden, über den Tellerrand hinauszuschauen und sich aktiv mit neuen Themen auseinanderzusetzen. Dazu gehört die Bereitstellung von Ressourcen und Tools, die das Lernen neuer Inhalte nicht nur ermöglichen, sondern auch vereinfachen. E-Learning-Plattformen, Workshops, Mentoring-Programme und Lerngruppen können dabei helfen, eine solche Kultur zu etablieren und die Lernkompetenz der Mitarbeiter:innen kontinuierlich zu erweitern.

Motivation: Der Treibstoff für anhaltendes Engagement

In einer Welt, in der Skills und Kompetenzen schnell unter die Räder kommen, ist es eine Herausforderung, die Motivation zum kontinuierlichen Lernen aufrechtzuerhalten. Wer verlernt schon gerne, was er oder sie sich mühselig unter enormen Aufwand angeeignet hat. Das gilt insbesondere für Expert:innen im Business! Personalentwicklungsangebote müssen daher gezielt darauf ausgerichtet sein, die innere Motivation der Mitarbeiter:innen zu stärken. Anerkennung, Belohnungen und die Möglichkeit, das Gelernte anzuwenden und sichtbare Erfolge zu erzielen, sind wesentliche Faktoren, die die Lernmotivation fördern. Es gilt, eine Kultur zu schaffen, in der das Verlernen veralteter Inhalte und das Erlernen neuer Konzepte als Chance und nicht als Bürde gesehen werden. Indem Unternehmen die Neugier ihrer Mitarbeiter:innen wecken und Erfolgserlebnisse schaffen, können sie eine Atmosphäre schaffen, in der Motivation gedeihtf

Resilienz: Die Kunst, im Wandel beständig zu bleiben

In einer sich ständig verändernden Umgebung sind nicht nur fachliche Fähigkeiten gefragt, sondern auch die psychische Widerstandsfähigkeit. Resilienz ist die Fähigkeit, mit Unsicherheiten, Veränderungen und Rückschlägen umzugehen, ohne dabei die eigene Zielstrebigkeit und das Wohlbefinden zu verlieren. Personalentwicklungsprogramme, die auf die Förderung von Resilienz abzielen, beinhalten oft Elemente wie Stressmanagement-Workshops, Achtsamkeitstraining und Coaching-Angebote. Diese Maßnahmen helfen den Mitarbeiter:innen, mit dem Druck und den Herausforderungen der Betawelt umzugehen und aus Rückschlägen gestärkt hervorzugehen. Was sich einfach schreibt ist allerdings harte Arbeit.

Mut zu Neuem: Visionen mutig vorantreiben

Mut ist die vierte unverzichtbare Säule für Erfolg in einer sich ständig wandelnden Betawelt. Er ist der Antrieb, der uns befähigt, nicht nur auf Veränderungen zu reagieren, sondern diese aktiv zu gestalten und dabei bewusst Risiken einzugehen. Personalentwicklungsmaßnahmen sollten daher eine Atmosphäre fördern, in der Experimentieren und das Lernen aus Misserfolgen geschätzt werden. Dies ermutigt Mitarbeiter:innen, eigene Ideen zu entwickeln, auch wenn diese unkonventionell sein mögen. Der Mut, den Status quo zu hinterfragen und alte Methoden über Bord zu werfen, wenn sie ihren Zweck nicht mehr erfüllen, ist ebenso wesentlich. Eine offene Kommunikationskultur, in der jede Stimme zählt und Feedback wertgeschätzt wird, unterstützt diesen Prozess. Führungskräfte spielen eine Schlüsselrolle, indem sie durch ihr eigenes mutiges Handeln als Vorbild dienen und ihre Teams dazu inspirieren, neue Perspektiven zu erkunden und Grenzen zu überschreiten.

Mit Lernkompetenz, Motivation, Resilienz und Mut ausgestattet, sind Individuen bestens vorbereitet, um die Herausforderungen der Betawelt nicht nur zu meistern, sondern aktiv zu gestalten und zukunftsfähig zu bleiben. Die Personalentwicklung ist dabei genauso gefordert wie Führungskräfte hier Maßnahmen zu setzen, die eine Unternehmenskultur voller Chancen fördert.

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