Von Teams zu Lerngemeinschaften: Die Zukunft des Lernens am Arbeitsplatz

Ein gutes Team ist der Motor jeder Abteilung. Um das Lernen am Arbeitsplatz zu ermöglichen, ist es daher besonders wichtig, dass das Team effektiv funktioniert und die Prozesse erfolgreich vorantreibt. Doch wie kann man Teams erfolgreich machen, um die Grundlage für weiteres Lernen und gemeinsames Schaffen zu ermöglichen? In diesem Artikel werden wir uns damit beschäftigen, wie sich Teams entwickeln und was sie brauchen, um erfolgreich zusammenzuarbeiten.

Was ist eigentlich ein Team?

Ein Team ist eine kleine Gruppe von Personen mit komplementären Fähigkeiten, die idealerweise gut zusammenarbeiten. Ein Team verfolgt gemeinsame Leistungsziele und arbeitet nach einem festgelegten Konzept, für das sich die Mitglieder gegenseitig verantwortlich machen (vgl. Europäische Kommission 2018).

Wie entwickelt sich ein Team?

Das Modell von Tuckman besteht aus fünf Phasen des Teambuildings, die den Aufbau des Teamzusammenhalts beschreiben. Es ist wichtig, dass jedes Team diese Phasen in der vorgegebenen Reihenfolge durchläuft, auch wenn einige Teams manche Phasen schneller oder langsamer durchlaufen können. Jede Phase ist notwendig, um als Team zu wachsen und sich neuen Herausforderungen stellen zu können.

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  1. Forming (Findungsphase): In dieser Phase lernen sich die Teammitglieder kennen, testen sich aus und definieren den Rahmen für ihre Zusammenarbeit. Die Führungskraft spielt hierbei eine wichtige Rolle, um eine klare Orientierung und Struktur zu geben.
  2. Storming (Konfliktphase): Nachdem sich das Team gefunden hat, können Konflikte auftreten. In dieser Phase ist es wichtig, dass die Führungskraft klare Regeln festlegt und emotionale Situationen bewältigt.
  3. Norming (Regelphase): In dieser Phase entwickeln die Teammitglieder eine Verbindung zueinander und definieren gemeinsame Regeln. Sie erkennen die Stärken und Schwächen der anderen Teammitglieder und die Zusammenarbeit wird effektiver.
  4. Performing (Leistungsphase): In dieser Phase arbeitet das Team produktiv zusammen und konzentriert sich auf die Zielerreichung. Feedback und Vorschläge werden aktiv eingeholt, um die Stärken aller Teammitglieder zu nutzen.
  5. Adjourning (Abschlussphase): Nach Abschluss des Projekts löst sich das Team auf und reflektiert seine Erfahrungen für zukünftige Teamarbeiten.

Welche Rollen können Teammitglieder einnehmen?

Teammitglieder können verschiedene Rollen einnehmen, je nach ihren Fähigkeiten und Aufgaben. Das Belbin-Modell teilt Personen in neun Kategorien ein und gibt einen Einblick in die möglichen Teamrollen. Weitere Informationen dazu findest du hierDie LAP-Methode (Language and Behavior Profile) kann ebenfalls hilfreich sein, um bereits im Bewerbungsgespräch die Verhaltenstendenzen potenzieller Teammitglieder zu erkennen (vgl. Charvet 2022). Persönlichkeitsanalysen bieten jedoch nur Tendenzen und können in bestimmten Situationen auch andere Verhaltensmuster hervorbringen (vgl. Puppatz 2022).

Was sind die Vorteile eines guten Teams?

Ein gut funktionierendes Team zeichnet sich durch effektive Zusammenarbeit und Koordination der Arbeitsabläufe aus. Die Teammitglieder ergänzen sich, teilen ihr Fachwissen und unterstützen sich gegenseitig bei der Bewältigung von Aufgaben. Dies führt zu einer höheren Produktivität und besseren Arbeitsergebnissen. Zudem bringt ein gutes Team verschiedene Fähigkeiten, Erfahrungen und Perspektiven mit, was dazu beiträgt, komplexe Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und kreative Lösungsansätze zu entwickeln. Die Vielfalt im Team fördert den Lernprozess und ermöglicht individuelles und gemeinsames Wachstum der Teammitglieder.

Teamarbeit bietet zudem die Möglichkeit, sich gegenseitig zu unterstützen und zu motivieren. Durch den Austausch von Ideen und die gemeinsame Zielausrichtung entsteht ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Teamgeist. Die positive Teamatmosphäre kann die individuelle Arbeitsmoral steigern und die Mitarbeiter dazu motivieren, ihr Bestes zu geben.

Durch effektive Zusammenarbeit können Probleme in gute funktionierenden Teams schneller und effektiver gelöst werden. Eine Basis für Überprüfung und Verbesserung der Arbeitsprozesse ist gegeben und wird regelmäßig durchgeführt.

In einer sich ständig verändernden Arbeitswelt ist ein gutes Team flexibel und anpassungsfähig. Es kann Herausforderungen und Veränderungen besser bewältigen, indem es auf die unterschiedlichen Stärken und Fähigkeiten der Teammitglieder zurückgreift. Die gemeinsame Verantwortung und das Vertrauen im Team fördern die Resilienz gegenüber Schwierigkeiten und tragen zur langfristigen Stabilität der Organisation bei (vgl. Dietrich 2021).

Welche Faktoren beeinflussen Teamarbeit?

Die Teamarbeit wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, die die Leistung und das Lernpotenzial eines Teams maßgeblich prägen. Führung, Teamgefüge und individuelles Verhalten spielen dabei eine entscheidende Rolle (Papst 2022, S. 42). Besonders die Führungsebene beeinflusst die Motivation des Teams maßgeblich (vgl. Jachtecho 2021). Hier sind die wichtigsten Faktoren für erfolgreiche Teamarbeit:

Eine starke und kompetente Führung ist von zentraler Bedeutung für den Erfolg eines Teams. Eine gute Führungskraft ist in der Lage, das Team zu motivieren, klare Ziele und Erwartungen zu kommunizieren und eine unterstützende und positive Teamkultur zu schaffen. Sie fördert eine offene Kommunikation, bietet Unterstützung und richtet das Team auf gemeinsame Ziele aus. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Führungskräfte ein gutes Beispiel geben und selbst als Teammitglied agieren, um das Vertrauen und die Zusammenarbeit im Team zu stärken (vgl. Papst 2022, S. 78).

Die Festlegung klarer Ziele und Erwartungen gewährleisten den Fokus und die Ausrichtung des Teams. Auch definierte Prozesse sind entscheidend, um Ziele überhaupt erst erreichen zu können (vgl. Papst 2022, S. 78). Ziele helfen den Teammitgliedern zu verstehen, was von ihnen erwartet wird und wie sie zum gemeinsamen Erfolg beitragen können. Besonders Gruppenziele sind entscheidend, weniger die Ziele einzelner (vgl. Dietrich 2021). 

Effektive Kommunikation ist der Schlüssel zur Förderung von Informationsaustausch, Zusammenarbeit und Lernen im Team. Nur durch klare und offene Kommunikation kann eine optimale Zusammenarbeit erreicht werden. Dazu zählt nicht zuletzt auch eine offene Fehlerkultur.

Die Effizienz eines Teams hängt maßgeblich von seiner Struktur ab. Ein gut strukturiertes Team mit klar definierten Rollen und Aufgaben fördert die Effizienz und das Lernen unter den Teammitgliedern (vgl. Dietrich 2021).

Die Übertragung von Verantwortung und Entscheidungsbefugnis auf die Teammitglieder ermöglicht es ihnen, ihre Arbeit selbst zu gestalten und sich aktiv am Lernprozess zu beteiligen. Dies fördert Motivation und Engagement.

Ein unterstützendes Umfeld, in dem sich Teammitglieder sicher fühlen, ihre Ideen auszudrücken und Fragen zu stellen, fördert die Lernbereitschaft. Ein vertrauensvolles Teamklima ermöglicht es den Mitgliedern, Wissen zu teilen und gemeinsam zu lernen.

Ein vielfältig zusammengesetztes und inklusiv handelndes Team profitiert von unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen. Diese Vielfalt fördert das kreative Denken und das gegenseitige Lernen.

Regelmäßiges Feedback und die Möglichkeit zur Reflexion sind unerlässlich für die kontinuierliche Verbesserung des Teams. Indem Erfahrungen und Erkenntnisse geteilt werden, können Teammitglieder voneinander lernen und ihre Arbeitsweise kontinuierlich verbessern (vgl. Dietrich 2021).

Wie kann ein Team als Lerngemeinschaft wachsen?

Wir wissen nun, dass Teams sich entwickeln müssen, dass einzelne Teammitglieder unterschiedliche Rollen einnehmen können und dass nicht nur das einzelne Individuum, sondern insbesondere die Führung für das Gelingen einer guten Teamarbeit verantwortlich ist. Doch wie können wir ein Team zu einer Lerngemeinschaft im Sinne eines Learning Workplace erweitern?

Die Art und Weise, wie wir im Team interagieren, ist entscheidend für den Erfolg des Teams. Dabei spielen die Ergebnisse des Forschungsprojekts Aristotle eine wichtige Rolle. Das Projekt, das von Google finanziert wird, hat das Ziel, das Rezept für gute Teamarbeit zu finden (vgl. Papst 2022, S. 142).

Dabei hat sich herauskristallisiert, dass auch für das Lernen insbesondere die psychologische Sicherheit, die Zuverlässigkeit, eine klare Struktur und Übersicht sowie der Sinn der Arbeit und die Wirkung des Themas nach außen entscheidend sind, um Teams in Projekten erfolgreich interagieren zu lassen. Diese Elemente zeichnen auch die Etablierung eines Learning Workplace aus.

Für Unternehmen bedeutet das in Bezug auf Lernen, dass sie zunächst ein Umfeld schaffen müssen, das psychologische Sicherheit fördert. Teammitglieder sollten ermutigt werden, ihre Ideen, Fragen und Fehler ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu äußern. Sie sollten sich sicher fühlen, Risiken einzugehen und aus Fehlern zu lernen. Dies kann erreicht werden, indem eine Kultur des Respekts, der Offenheit und der Anerkennung etabliert wird, in der das Lernen und die Entwicklung im Mittelpunkt stehen. Lessons Learned Sessions oder Fuckup-Nights sind hier ein hervorragendes Instrument um dieses vertrauensvolle Umfeld zu schaffen.

Zudem ist es von entscheidender Bedeutung, die Zuverlässigkeit innerhalb des Teams zu fördern. Dies erfordert klare Erwartungen an die Teammitglieder in Bezug auf ihre Rollen, Verantwortlichkeiten und Aufgaben sowie ein System der Verantwortlichkeit. Eine zuverlässige Teamumgebung schafft Vertrauen und fördert die Zusammenarbeit und das Lernen. Insbesondere Teambuildingmaßnahmen können hier zu positiven Effekten beitragen. Ein Team ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. 

Die Struktur und Organisation des Teams sollten ebenfalls berücksichtigt werden. Eine klare Definition von Rollen und Verantwortlichkeiten, eine effiziente Aufgabenverteilung und ein effektives Projektmanagement können dazu beitragen, Überlappungen und Lücken zu vermeiden und sicherzustellen, dass alle Aspekte des Projekts abgedeckt sind. Hier ist insbesondere die Führung gefragt, bereits in einem Projekt-Kickoff klar zu kommunizieren. Regelmäßige Meetings und ein strukturiertes Projektmanagement helfen dabei, hier Klarheit zu schaffen.

Schließlich sollte das Unternehmen sicherstellen, dass die Teammitglieder den Sinn und die Bedeutung ihrer Arbeit verstehen. Dies kann durch transparente Kommunikation über Unternehmensziele, Projektziele und die Auswirkungen ihrer Arbeit auf diese Ziele erreicht werden. Wenn Mitarbeiter sehen, wie ihre Arbeit zu einem größeren Ziel beiträgt und welchen positiven Einfluss sie auf die Außenwelt hat, steigt ihre Motivation und ihr Engagement.

Wissen ist ein wichtiges Gut und muss in unserer flexiblen Gesellschaft gepflegt werden. „Während im globalen Raum die Diskussion um alternative Fakten tiefe Risse innerhalb der Gesellschaft verursacht, kann eine heterogene Wissensbasis ein Team sowohl fachlich als auch sozial sprengen.“ (Papst 2022, S. 116). Um in einem Unternehmen einen Learning Workplace zu etablieren, muss daher insbesondere auf das Team als Lerngemeinschaft geachtet werden. Nur wenn wir die Interaktion im Team fördern, können wir eine Basis für die Schaffung eines Learning Workplace in Unternehmen bilden.

 

Literatur:

Europäische Kommission (2018). Förderung des Lernens Erwachsener am Arbeitsplatz – Abschlussbericht der ET 2020-Arbeitsgruppe 2016-2018 zur Erwachsenenbildung.

Dietrich (Hersg.) (2021): Durchstarten mit dem Team. Aufbau einer Ressourcenorientieren Zusammenarbeit mit Verstand und Unbewussten. Hogrefe AG: Bern.

Puppatz, Martin (2022): Persönlichkeitstest in Recruiting und Personalentwicklung. Podcastfolge 33. In: Brauch, Michael (2022): Personalmanagement. Der Podcast für Recruiting, Führung und Lernen. Podcast.

Jachtecho, Wladislaw (2021) : Die 5 Rollen einer Führungskraft. 2. Aufl., Remote Verlag: Oakland.

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