Was sind eigentlich neue Lernformen und was heißt das für Lernen im Unternehmen?

Im Laufe der Jahre haben sich viele neue Lernformen entwickelt oder weiterentwickelt. Unter Lernform wir in diesem Zusammenhang ein bestimmter methodisch-didaktischer Ansatz gemeint, der in unterschiedlichster Weise durchgeführt werden kann. Hierbei kann es sich um formales oder um informelles Lernen handeln, aber auch eLearning und Blended Learning Konzepte spielen hier eine Rolle. Manche Lernformen werden mit anderen kombiniert und zu neuen Lernformen entwickelt, andere verändern einfach nur den Fokus auf das Lernziel oder auch die Lernenden selbst.

Heute im 21. Jahrhundert stoßt man auf immer mehr neue Lernformen und spürt einen merklichen Umschwung und ein verlangen nach neuen Denkansätzen durch die starke gesellschaftliche Veränderung. Dadurch haben sich Wörter wir Lernen 4.0, Agiles Lernen oder auch der Begriff des New Learning etabliert und werden aktuell stark diskutiert. Alle Formen haben eines gemeinsam – sie sind alle über die Veränderung und Einstellung zum Thema Arbeit weitergedacht worden.

Abseits dieser Gemeinsamkeit unterscheiden sich die drei Begriffe in ihren Blickwinkeln, auch wenn Ihnen noch keine allgemein anerkannten Definitionen zu Grunde liegen.

„Lernen 4.0 basiert analog zur Industrie 4.0 auf der digitalen und technologischen Vernetzung und dem Grundgedanken der Effizienzsteigerung. Im Fokus steht die zeitnahe Befähigung zur anforderungsgerechten individuellen Performance. Der Lernende wird dabei durch ein smartes Lernumfeld (zum Beispiel Avatare, Bots, Sensoren) unterstützt. Kollaboration zwischen Mensch und Maschine und KI-gestützte Assistenzsystem prägen das Lernen 4.0.“ (1)

Das Konzept beruht auf der Entwicklung der Industrie 4.0 und der neuen Entwicklung der Digitalisierung. Hier liegt das Internet of Things und daher die Vernetzung der Maschinen im Zentrum, die die Lernenden in ihrem Prozess bestmöglich unterstützen. Zentral sind hier EdTech-Produkte, die ein wirtschaftliches Interesse verfolgen und durch die Technik Effizienz bringen sollen. Die Maschine lässt den Menschen wissen wann das Joghurt im Kühlschrank sein Fälligkeitsdatum erreicht hat und erleichtert dem Menschen dadurch den Alltag.

Im Lernkontext bedeutet dies, dass eine Maschine mit dem Internet of Things verbunden ist und dem Menschen Probleme meldet, wenn diese an der Maschine auftreten. Weiterführend wir über AR (Augmented Reality) oder VR (Virtuell Reality) eine Schritt für Schritt Wartungsanleitung vorgespielt, die bei Bedarf weitere Lernhinhalte und Erklärungen abrufen kann. Durch eine Unterstützung von AI (Artificial Intelligence) können zusätzlich individuell angepasste Lerninhalte vorgeschlagen werden (2).

„Agiles Lernen leitet sich vom agilen Arbeiten ab und zielt auf die lebenslange Anpassungs- und Innovationsfähigkeit von Mensch und Organisation. Agile Lernprozesse zeichnen sich durch kurze, klar strukturierte Abläufe bei gleichzeitiger Flexibilisierung und Individualisierung der Inhalte (zum Beispiel WOL, Barcamp) aus. Zielorientierung, Kollaboration, Selbststeuerung und Dynamik prägen diesen Ansatz. Im weiteren Sinne bedarf agiles Lernen eines passenden Mindsets (Selbstwirksamkeit und Entwicklungsfähigkeit), Skills (zum Beispiel Lernkompetenzen) und eine passende Fehler- und Lernkultur.“ (1)

Durch einen strukturierten Ablauf und einen flexiblen Inhalt kann leichter auf Veränderungen eingegangen werden. Lernende sind hier gleichzeitig Konsument und Wissensvermittler. Ein Beispiel hierfür wäre die Abhaltung von Barcamps, bei der Teilnehmer:innen gleichzeitig Inhalte liefern.

Das Agile Lernen trägt die Ebenen Individuum, Organisation und Team inne und zeichnet sich besonders durch Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an neue Gegebenheiten und Szenarien aus (2).

„New Learning basiert auf Frithjof Bergmanns New-Work-Konzept und hat die Selbst- und Potenzialentfaltung des Individuums zum Ziel. New Learning bezeichnet Lernprozesse, die vom Lernenden als sinnhaft erlebt werden und die Teilhabe an der Gemeinschaft ermöglichen. Die Lernprozesse sind geprägt von Selbstbestimmung, Autonomie und dem Streben nach Wirksamkeit. Dabei gilt, dass die Lerner ein hohes Maß an Selbstverantwortung und die Zugehörigkeit zur (Lern-)Gemeinschaft erleben.“ (1).

Lernen ist nun nicht mehr rein formal, sondern viel mehr auch informell durchflochten. Lernen ist auch individuell, kooperativ und dann wieder kollaborativ, agil, on Demand usw. Es gibt unterschiedliche Lernformen die hier in Konzepte einfließen können, aber dennoch einen Rahmen in dem Lernen stattfinden soll. Aufbauend auf dem New Work Konzept von Bergmann basiert New Learning auf den Prinzipien der Selbstentfaltung und der Potenzialentfaltung des Individuums. Lernen muss für den/die Lernende als sinnhaft und nutzbar eingestuft werden. Durch das Erlernte kann nicht nur teilgenommen werden an der Gesellschaft, sie kann dadurch auch beeinflusst und verändert werden. Der Lernprozess ist durch Selbstbestimmung und Autonomie geprägt und der/die Lernenden rücken in den Mittelpunkt. Lernkonzepte werden nicht nach dem Lernziel ausgerichtet, sondern nach den Lernenden selbst. Lernende haben nicht die gleichen Grundvoraussetzungen und andere Lernvorlieben. TrainerInnen sind eher als Coaches zu verstehen, die Lernende anleiten ihre eigenen individuellen Lernziele zu erreichen. Lernziele müssen nicht nur auf Zertifikate und Abschlüsse abzielen, sondern sind viel mehr auf Kompetenzerreichung ausgerichtet. Lernmethoden integrieren neue Medien und neue Technik, sind davon auch nicht abhängig und bedienen sich unterschiedlichsten Methoden und Möglichkeiten (4).

Das Hagener Manifest zu New Learning bildet einen Rahmen rund um den Begriff und skizziert ihn sehr anwendungsfreundlich mit folgenden Thesen (3):

  1. New Learning bedeutet Lebenslange Bildung
  2. New Learning fördert Chancengleichheit
  3. New Learning stellt die Lernenden in den Mittelpunkt
  4. New Learning denkt die Rollen von Lehrenden und Lernenden neu
  5. New Learning bedeutet vernetztes Lernen
  6. New Learning ermöglicht flexibles und selbstbestimmtes Lernen
  7. New Learning misst Lernerfolge an individuellen Zielen
  8. New Learning sieht Technologie als Chance – ohne Risiken zu ignorieren
  9. New Learning steigert digitale (Medien-)Kompetenz und Data Literacy
  10. New Learning garantiert Datenschutz und verhindert digitale Diskriminierung
  11. New Learning überwindet Grenzen zwischen Bildungsinstitutionen
  12. New Learning braucht eine neue, gemeinschaftliche Bildungspolitik

Im 35. New Work Meetup der … zum Thema „New Learning – Wie wir das Lernen neu erlernen“ wurden weitere Thesen besprochen, die dieses Manifest meiner Meinung nach abrunden und weiter konkretisieren. Anbei das Video zur Zoom Konferenz (5):

Was heißt das für Unternehmen?

Um die Employability in einem Unternehmen gewährleisten zu können ist es wichtig Weiterbildungsangebote zur Verfügung zu stellen. Dies passiert bereits in den meisten Firmen und wird über diverse eLearnings abgewickelt. Zukünftig werden diese eLearnings jedoch nicht ausreichen um dem gesellschaftlichen Wandel und den einhergehenden Veränderungen gerecht werden zu können. Um neue Lernformen in Unternehmen etablieren zu können bedarf es daher auch des Umdenkens der Unternehmensstruktur. Unternehmen müssen neue Lernformen in ihr Mindset integrieren, da es sich hier um wesentliche Nutzerveränderungen handelt und nicht mehr nur um reine Employability.

Doch welches Lernkonzept unter all den neuen Ansätzen ist das Richtige?

Das ist eine Frage, die sich so ad hoc nicht beantworten lässt. Jede der drei oben genannten Lernformen hat seine Vor- und Nachteile, birgt Risiken aber auch Lösungen in sich, die das Lernen in Unternehmen stützen können, es aber auch gleichzeitig behindern können. Klar ist, dass der Einsatz von Technik ein wesentlicher Gestaltungsfaktor neuer Lernsettings in Unternehmen darstellen wird. Durch den Einsatz von EdTech ist es möglich gezielter und individueller auf die Lernziele der Lernenden einzugehen und diese nach den Kompetenzen der MitarbeiterInnen abzustimmen. Durch AI (Artificial Intelligence) können Inhalte zielgerichteter und on Demand zugespielt werden um Lernen auf ein neues Level zu bringen. Via Micro Learning oder auch Mobile Learning kann ein Gedankenaustausch stattfinden, es können kurze Sequenzen wiederholt werden und es können kleinere Lernsettings spielerisch vermittelt werden. Mit der Hilfe von Augmented Reality, Virtuell Reality, weiterführend Mixed Reality können Situationen nachgespielt werden, Lernen wird greifbar gemacht und Erfahrungslernen kann Lernende virtuell ermöglicht werden. Auch hier können je nach Lernziel unterschiedliche Lernkonzepte und Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Daraus ergibt sich klar, dass der Einsatz der Technik durch das Lernkonzept Lernen 4.0 ein wesentlicher Bestandteil für zukünftiges Lernen in Unternehmen darstellen wird. Jedoch soll nicht die Maschine die zentrale Rolle spielen. Daher ist der New Learning Ansatz, bei dem das lernende Individuum im Fokus steht, eine wesentliche Grundvoraussetzung um Lernen auf eine neue Ebene zu setzen. Es wird jedoch im Beschäftigungskontext auch Lerninhalte geben, die nicht aus freien Stücken erlernt werden müssen. Gleichzeitig kann ein Unternehmen nur im Team handlungsfähig sein. Durch unsere immer komplexer werdende Gesellschaft und die Lerninhalte, kann eine Einzelperson den Wissensstand schon lange nicht mehr alleine ausgleichen. Daher ist Agiles Lernen in Unternehmen wichtig, um auch kollaborativ Lerninhalte zu vermitteln und Wissen weiterzugeben um letztendlich wirtschaftliche Erfolge in Unternehmen zu gewährleisten.

In der Zukunft werden sich für das Lernen in Unternehmen neue Wege eröffnen. Lernende werden on Demand während ihren Arbeitsprozessen begleiten und gezielt mit kleinen EdTech unterstützten Learning Nuggets gefüttert um Arbeitsprozesse leichter nachvollziehen zu können, neue Zusammenhänge zu erlernen oder auch Gelerntes aufzufrischen.

Lernen wird in Zukunft neue Sphären erreichen, die die Menschheit bisher in Filmen belächelt hat. Damit Unternehmen sich diese neuen Lernformen zu Nutze machen können, bedarf es vordergründig ein Umdenken der Lernstrategien und einen offenen Blick auf alle Lernkonzepte.Graf, N. und Schmitz, A. P. (2019): Definition & Abgrenzung der Begriffe Lernen 4.0, Agiles Lernen & New Learning. http://humex-consulting.de.

Literaturverzeichnis:

(1) Graf, N. und Schmitz, A. P. (2020): Agiles Lernen, New Learning, Lernen 4.0 In: Personalmagazin. 01.20.

(2) FernUniversität in Hagen (2020): Lernen neu denken. Das Hagener Manifest zu New Learning. In: https://www.fernuni-hagen.de/imperia/md/content/universitaet/hagenermanifest/hagener-manifest.pdf [01.05.2021].

(3) Bergmann, F. (2004): Neue Arbeit, Neue Kultur.  Freiamt: Arbor.

(4) iCombine (2021): New Learning – Wie wir das Lernen neu erlernen. In: https://icombine.net/de/blog/new-learning-neues-lernen. [02.05.2021].

(5) Graf, N./Gramss, D./Edelkraut, F. (2017): Agiles Lernen. München: Haufe-Lexware.

Adventskalender der Smart Learning Pirates

Heuer haben wir uns etwas Besonderes für euch überlegt. Als Smart Learning Pirates, haben wir, Sirkka Freigang, Leonie Barenbrock, Svenja A. Hallerberg, Corrina Braun, Susanne Opel, Julia Bansen, Maria Elisabeth Matthäus, Fransziska Richter, Martina

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