Wo ist denn eigentlich dieses Metaverse geblieben?

Noch vor 5 Jahren war die LearnTec in Karlsruhe mitten im Thema Metaverse gelandet. Man hatte fast den Eindruck, dass ein Stand ohne VR oder AR Applikationen noch im Steinzeitalter lebt. Visionen von virtuellen Welten, in denen wir arbeiten, spielen und soziale Kontakte pflegen, schienen greifbar nah. Gerade in der Personalentwicklung wurden große Ideen gesponnen: immersive Trainingswelten, virtuelle Onboardings, globale Kollaborationsräume, die Zeit und Raum überflüssig machen sollten.

Doch wenn wir heute auf die aktuellen Trends in der HR-Welt blicken, dominiert ein anderes Thema die Schlagzeilen. An künstlicher Intelligenz kommt man nicht vorbei. Das Metaverse scheint hingegen in den Hintergrund getreten zu sein, fast schon vergessen im Schatten des rasanten KI-Booms.

Aber ist es wirklich verschwunden? Oder hat es sich lediglich aus dem grellen Scheinwerferlicht des Hypes zurückgezogen, um im Stillen zu reifen? 

Vom Enthusiasmus ins Tal der Tränen

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Der anfängliche Enthusiasmus für das Metaverse war immens, besonders als Facebook Ende 2021 zu Meta umfirmierte und damit ein klares Signal für die strategische Ausrichtung auf virtuelle Welten setzte. Ich erinnere mich noch gut an die Diskussionen um Mark Zuckerbergs Video zur Zukunft des Metaverse. Die Versprechungen waren groß. Das Metaverse sollte eine neue Ära der digitalen Interaktion einläuten, in der immersive Erlebnisse, nahtlose Zusammenarbeit und innovative Geschäftsmodelle die Norm würden. 

Für die Personalentwicklung schien dies ein Paradigmenwechsel zu sein, der neue Möglichkeiten für globales Recruiting, realitätsnahe Trainingssimulationen und eine verbesserte Mitarbeiterbindung versprach. Auch ich habe damals viel mit den neuen Technologien gespielt, AR Apps entwickelt und eine eigene VR Welt gestaltet, um zu sehen, wie sich die Technologie verhält. Ich bin auch noch immer davon überzeugt, dass sie uns in spezifischen Anwendungsfällen als Bereicherung dienen kann.

Dennoch wich der anfängliche Hype schnell einer Ernüchterung und das Metaverse verschwand zunehmend aus dem Fokus der HR-Diskussionen. Dafür gibt es mehrere Gründe, die sich gegenseitig verstärkten:

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1. Überzogene Erwartungen und mangelnde Umsetzung

Viele der anfänglichen Visionen waren ihrer Zeit voraus. Die Technologie war schlichtweg noch nicht reif genug, um die hochgesteckten Erwartungen zu erfüllen. Dies äußerte sich in:

  • Technischen Limitationen: Für ein wirklich immersives und reibungsloses Metaverse-Erlebnis sind leistungsstarke Hardware (VR/AR-Headsets), hohe Bandbreiten und robuste Softwareplattformen unerlässlich. Diese waren und sind für viele Nutzer noch immer unzugänglich oder zu teuer. Die Diskrepanz zwischen dem, was versprochen wurde und dem, was technisch machbar war, führte zu Enttäuschung.
  • Fehlende Reife der Anwendungen: Viele der frühen Metaverse-Anwendungen, insbesondere im Konsumentenbereich wie Metas Horizon Worlds oder Decentraland, kämpften mit geringer Nutzerbindung und boten oft keine überzeugenden, tiefgehenden Erlebnisse. Die anfängliche Neuheit verflog schnell, da die Inhalte oft als oberflächlich oder wenig engagierend empfunden wurden.

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2. Datenschutz- und Sicherheitsbedenken

Die Aussicht auf eine umfassende Datenerfassung in immersiven virtuellen Umgebungen, die potenziell biometrische Daten und sogar emotionale Reaktionen umfassen könnte, löste bei Nutzern und Regulierungsbehörden erhebliche Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und des Missbrauchs von Daten aus. Diese Unsicherheiten trugen ebenfalls zur Zurückhaltung bei.

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3. Kulturelle Verschiebungen und veränderte Nutzerpräferenzen

Die Pandemie spielte dem Thema Metaverse anfänglich sicher in die Karten. Doch nach den langen Phasen der Isolation und virtuellen Interaktion während der Pandemie sehnten sich viele Menschen nach realen, physischen Erlebnissen. Dieser kulturelle Wandel führte dazu, dass physische Interaktionen gegenüber rein digitalen bevorzugt wurden. Man erkannte schnell, dass Online Interaktionen zwar anfänglich faszinieren, jedoch nur schwer die selbe Tiefe erreichen, die eine Interaktion in Präsenz liefern kann.

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4. Künstlichen Intelligenz auf der Überholspur

Der vielleicht entscheidendste Faktor für den Rückzug des Metaverse aus dem Rampenlicht war der explosionsartige Aufstieg der generativen Künstlichen Intelligenz. Tools wie ChatGPT, Midjourney und andere KI-Anwendungen eroberten die Schlagzeilen und boten greifbare, sofort nutzbare Lösungen für eine Vielzahl von Problemen. KI hat eine geringe Anwendungsbarriere, man kann es gleich ausprobieren und liefert schnelle Ergebnisse mit sichtbarem Mehrwert. Hingegen das Metaverse noch in den Kinderschuhe steckt, die Nutzungsbarriere höher ist und der direkte Anwendungsnutzen nicht immer unmittelbar direkt erprobt werden kann. Dadurch verlagerte sich auch die Aufmerksamkeit der Tech-Welt und der Investoren auf KI Anwendungen.

All diese Faktoren führten dazu, dass das Metaverse, obwohl es weiterhin weiterentwickelt wird, seine Position als Top-Thema in der Personalentwicklung verlor. Es ist nicht tot, aber es befindet sich in einer Phase der Neukalibrierung, abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Was sich im Hintergrund an der Metaverse-Front getan hat

Während das Metaverse in der öffentlichen Wahrnehmung und im HR-Bereich scheinbar in den Hintergrund getreten ist, bedeutet das keineswegs, dass die Entwicklung stillgestanden hat. 

Ganz im Gegenteil: Das Metaverse ist nicht tot, sondern hat sich aus dem anfänglichen Hype-Zyklus herausbewegt und befindet sich nun in einer Reifephase.

Der Fokus hat sich dabei von den oft überzogenen Konsumenten-Anwendungen hin zu konkreten, produktiven Einsatzfeldern verlagert, insbesondere im industriellen und unternehmerischen Bereich als Industrial Metaverse .

Der Bitkom-Leitfaden 2025 bestätigt eindrücklich, dass sich das Industrial Metaverse trotz früher Rückschläge stetig weiterentwickelt. Viele erste Initiativen sind insbesondere an unausgereifter Technologie, mangelnder Hardware oder fehlenden Anwendungsfällen gescheitert. Doch inzwischen ist ein solides Fundament entstanden. Der technologische Fortschritt bei der Hardware: VR- und AR-Headsets hat hier sein übrigens getan. Sie sind heute deutlich leistungsfähiger, komfortabler und erschwinglicher als noch vor wenigen Jahren. Geräte wie die Meta-Quest-Reihe oder Apples Vision Pro zeigen, dass die Einstiegshürden für Unternehmen und Privatpersonen spürbar sinken – eine zentrale Voraussetzung für die breitere Akzeptanz und Nutzung des Metaverse. 

Konkrete Anwendungsfelder und Mehrwerte zeigen sich im Industrial Metaverse bereits heute in unterschiedlichen Use Cases:

Das Metaverse ist also nicht verschwunden, sondern hat sich weiterentwickelt und konzentriert sich auf Bereiche, in denen es bereits heute einen klaren Mehrwert liefern kann.

Wenn KI auf das Metaverse trifft

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Für mich steht in jedem Fall fest, früher oder später werden sich diese zwei Technologien vereinen. Doch in welcher Art können sich die Technologien verbinden und welche Potenziale erschließen sich dadurch für das Corporate Learning? 

Liegt eigentlich auf der Hand! KI kann die immersiven und interaktiven Erfahrungen des Metaverse intelligenter, personalisierter und effizienter gestalten, während das Metaverse der KI eine Plattform für die Entfaltung in realitätsnahen, sozialen Kontexten bietet. 

Ich denke hierbei an:
  • KI-gesteuerte virtuelle Jobmessen mit KI Avataren
  • Immersives Onboarding mit personalisiertem KI-Buddy System
  • Adaptive Lernpfade durch KI im Metaverse mit immersiven Trainingssimulationen
  • KI-basierte Feedback-Systeme in immersiven Testumgebungen
  • KI-verbesserte virtuelle Arbeitsräume
  • Intelligente KI Avatare als fiktive Teammitglieder oder AssistentInnen für soziale Interaktion (z.B.. Brainstorming)
  • KI-Analyse von Metaverse-Interaktionen:
  • KI-gesteuerte Wellbeing-Programme
  • Virtuelle Corporate Academy
  • Skill-Entwicklung durch Simulation in Testumgebung
  • Globaler Wissensaustausch im virtuellen Raum

Man sieht, ein paar Ideen ergeben sich recht schnell. Die Verschmelzung von Metaverse und KI ist keine ferne Zukunftsmusik mehr, sondern eine Entwicklung, die bereits im Gange ist. Aber auch hier ist es wichtig sind nicht von der Methodenfalle leiten zu lassen, sondern sich genau zu überlegen, welche aktuellen Schwierigkeiten man durch die Methode lösen will.

Das Metaverse ist nicht verschwunden, es hat sich weiterentwickelt – und wartet auf seine KI-Partnerin

Klar ist, die Idee vom Metaverse ist nicht vom Tisch, sie ist lediglich aus dem Scheinwerferlicht der öffentlichen Wahrnehmung getreten und wurde durch den KI Hype temporär verdrängt.

Auf kurz oder lang werden die Technologien aufeinander treffen und das immersive Niveau auch im Bereich Corporate Learning maßgeblich beeinflussen. Von KI-gesteuerten Onboarding-Erlebnissen über adaptive Trainingssimulationen bis hin zu intelligenten virtuellen Assistenten für Mitarbeiter-Support, die Möglichkeiten sind immens.

Für uns in der Personalentwicklung und im Corporate Learning bedeutet das: Wir dürfen das Metaverse nicht abschreiben. Es ist keine Konkurrenz zur KI, sondern eine potenzielle Partnerin, die in Kombination mit KI eine transformative Kraft entfalten kann. Lasst uns die Entwicklungen im Industrial Metaverse weiter beobachten und aktiv überlegen, wie wir die Synergien zwischen immersiven Welten und künstlicher Intelligenz nutzen können, um das Lernen von morgen zu gestalten.

Literatur:

Ferner, J. (2025, 9. Juni). The Metaverse Is Not Dead – Bitkom Shows: The Second Phase Has Begun. German Lawyer Ferner: it-law, labourlaw & criminal defense. https://www.ferner-alsdorf.com/the-metaverse-is-not-dead-bitkom-shows-the-second-phase-has-begun/

Nagaraj, S. (2024, 15. Juli). Is the Metaverse Dead? Exploring Its Decline and Future. Digit7. https://www.digit7.ai/why-is-no-one-talking-about-the-metaverse-what-happened-is-it-dead/

Lavri, O. (2023, 8. Juni). The Metaverse and HR: Reshaping the Future of Work. TalentNeuron Blog.

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